3. März 1769 Naturforschung auf hoher See

Ein Tag mit James Cook im Pazifik

Banks_-_The_Botanic_Macaroni

Joseph Banks in einer zeitgenössischen Karikatur

Rund 2600 Kilometer hatte die Endeavour bis zum 01.03.1769 nach Verlassen des Kap Hoorn am 25. Januar zurückgelegt. Und nun, seit Mittag des 3. März, weitab von jedem Land, beinahe Windstille. Für Joseph Banks, den Naturforscher, eine gute Gelegenheit, ins Beiboot zu steigen und auf See Objekte für seine Sammlung zu ergattern. In seinem Tagebuch liest sich das folgendermaßen:

„Während ich im Boot war, umgeben von einer großen Menge an Vögeln, tötete ich insgesamt 69 Stück und fing zwei Hippoboscas forest flies [Pferdelausfliegen]. Beide von einer Art, wie sie bislang noch nicht beschrieben wurde. Höchstwahrscheinlich wurden sie von den Vögeln so weit weg vom Land getragen.“

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Der nach Parkinson genannte Sturmvogel. Parkinson starb 1771 auf der Rückreise nach London an Bord der Endeavour an Ruhr.

Tatsächlich handelte es sich bei den meisten erlegten Vögeln um verschiedene Arten von Sturmvögeln und Albatrossen, also Hochseevögeln, deren Anwesenheit kein nahes Land verkündet. Und auch die Positionsbestimmung durch Messungen und Koppeln (das Aneinanderzeichnen der durch Geschwindigkeitsmessung – das Loggen – ermittelten zurückgelegten Strecke auf der Seekarte) und weitere Beobachtungen ließen auf die Abwesenheit größerer Landmassen in diesem noch weitgehend unbekannten Teil der Erde schließen. Im Logbucheintrag mit den Informationen zu Position und Bordroutine stellt Cook fest:

„Freitag, 3. erster Teil mäßige Brise; Rest ruhig und klares Wetter. Nachmittags Salzwasser in den vorderen Laderaum gefüllt, alle Reservesegel gelüftet. Wind West, ruhig; Kurs Nord 17 Grad Ost; Strecke 31 Meinen; Breite 36 Grad 49 Minuten Süd, Länge 111 Grad 34 Minuten West.“

Banks botanischer Zeichner Sydney Parkinson formuliert das Ergebnis der Lagebesprechung der Herrschaften des Achterdecks am 01. März in seinem Tagebuch folgendermaßen:

„Wir waren uns einig, dass die Übereinstimmung der beiden Arten der Positionsbestimmung außergewöhnlich ist und zeigt, dass das Schiff seit dem Verlassen Cap Hoorns keiner Meeresströmung ausgesetzt war. Das macht es ebenfalls sehr wahrscheinlich, dass wir nicht in der Nähe irgendwelchen Landes von nennenswerter Ausdehnung waren. Denn Strömungen finden sich immer in der Nähe von Land und manchmal – speziell an der Ostseite des Kontinents in der nördlichen See – als Land in einer Entfernung von etwa 400 Kilometer lag.“

Auch Banks hatte diese Überlegungen in seinem Reisejournal niedergeschrieben, aber seine Naturforschungen nahmen naturgemäß einen größeren Raum ein. So beschrieb er nicht nur die von ihm eingefangenen Quallenarten, von denen einige kaum größer als ein Sixpence waren, er registrierte auch das rasche aufblühen der Seepocken am Schiffsrumpf, denen offensichtlich das warme Klima außerordentlich gut tat. Und dass der wohlhabende Banks nicht nur leidenschaftlicher Wissenschaftler, sondern auch Genussmensch war, belegt der Fund eines ungewöhnlichen Tintenfisches, der in Banks Aufzeichnungen natürlich nicht unerwähnt bleibt:

„Ich fand an diesem Tag ebenfalls einen großen Tintenfisch, tot auf dem Wasser treibend und von den Vögeln dermaßen zerhackt, dass ich die Art nicht bestimmen konnte. Ich weiß nur so viel, dass aus ihm eine der besten Suppen gemacht wurde, die ich jemals aß [diese Aussage wird von Parkinson begeistert bestätigt]. Er war sehr groß und unterschied sich von seinen europäischen Artgenossen darin, dass seine Arme statt der Saugnäpfe eine Doppelreihe sehr scharfer Krallen aufwiesen, die an jene einer Katze erinnerten und wie diese in eine Hautscheide eingezogen und nach Bedarf ausgefahren werden konnte.“

Keine Frage, Banks Forscherdrang bescherte der Expedition so manchen Leckerbissen und auch eine größere Menge der zu wissenschaftlichen Zwecken erlegten Seevögel dürfte im Kochtopf gelandet sein. Trotzdem kehrte Banks mit immerhin 30.000 Pflanzen (meist –aber nicht nur – getrocknet), 1000 zoologischen Präparaten und zahlreichen ethnologischen Artefakten, von seiner Südseereise mit James Cook nach London zurück (Siehe auch „Forscher, Katzen und Kanonen“).

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2 Gedanken zu „3. März 1769 Naturforschung auf hoher See

  1. Die drei Forschungsreisen James Cooks markierten den Beginn der eigentlichen Expansion Großbritanniens auf den Weltmeeren. Es ging dabei nicht nur um den Zugewinn von wissenschaftlichen (botanisch (neue Pflanzenarten), biologisch (neue Tierarten), geografisch (Entdeckung und kartografierung neuer Küstenstriche, gfls. Korrektur von bereits zuvor festgestellten Positionen, und astronomisch: Feststellung und mathematische Errechnung des Venusdurchgangs als Rahmendaten für die korrekte Berechnung der Meridiane und damit der korrekten Positionsbestimmung auf See) sondern auch um die Gewinnung neuer Landmassen und eventuell neuer Bevölkerungen als Untertanen der britischen Krone; daher die Geheimorder bezüglich des legendären Südkontinents terra australis inkognita (große unbekannte südliche Landmasse) wie sie von Alexander Dalrymple mehr hypothetisch als wissenschaftlich belegbar im südlichen Pazifik als „Faktum darstellte.
    Nachdem England (ab 1801 Großbritannien) seinen Erzrivalen Frankreich im Siebenjährigen Krieg nahezu vernichtend geschlagen hatte und sich damit zum Primus der Seemächte emporgeschwungen hatte, begann der Kampf der beiden „Supermächte“ des 18. Jahrhunderts auf der wissenschaftlichen Ebene. Bereits 1767 hatte Frankreich von der geplanten Forschungsreise in den Pazifik erfahren. Der französische Kommandant De Bougainville hatte die Bedeutung dieser Forschungsreise auch für die zukünftigen Auseinandersetzungen mit Großbritannien bedeuten konnten und es erreicht, dass er noch vor Cook auf See geschickt wurde. Er kam Cook zwar insofern zuvor aber er erreichte nicht dessen epochale Leistungen
    bezüglich der astronomischen und naturwissenschaftlichen Planvorgaben und Zielvorstellungen. Auch setzte Cook wahrhaft „olympische“ Maßstäbe bezüglich der Gesunderhaltung seiner Mannschaft (Vermeidung des Skorbut!) durch regelmäßige Vergabe von Orangen- und Zitronensaft, Sauerkraut und rohen Zwiebeln. Bereits vor Fahrtantritt ließ er Fässer mit bereits vedorbenen oder dem Verderben recht nahen Nahrungsmitteln noch im Hafen durch Überbordwerfen „entsorgen“, schon um zu vermeiden, dass diese unbrauchbaren Lebensmitteln anderen Schiffsoffizieren und Besatzungen der Navy untergeschoben werden konnten. Während der dreijährigen Reise verlor Cook nur 3 Besatzungsmitglieder durch Krankheit und diese nicht durch Skorbut. Die hohen Verluste während des Aufenthalts in Batavia zur Instandsetzung der ENDEAVOUR gingen auf das Konto des dort grassierenden Sumpffiebers, gegen das kein Kraut gewachsen war.

    Gewichtsausgleichsverfahren auf hoher See:
    Die Formulierung Cooks, so wie sie oben wiedergegeben wird, erweckt im nautischen Laien den falschen Eindruck, dass man damals einfach Seewasser in einen der Laderäume gepumpt habe. .

    Die erwähnte Füllung des vorderen Laderaums mit Wasser hat man sich jedoch folgendermaßen vorzustellen: Generell wurden die Fässer mit Wasser und den übrigen Lebensmitteln und Verbrauchsgütern in Fässern verschiedener Größen im Laderaum des Schiffes gelagert; wobei die schwersten, nämlich die Wasserfässer, zuunterst in einer dichten Lage Kies, Sägemehl oder anderem Material rutschsicher gelagert wurde. Durch den täglichen Verbrauch von Lebensmitteln verrringerts sich natürlich auch das Gewicht der Ladung. Um aber die Stabilität des Schiffes dauerhaft sicherzustellen, wurde ein Teil der Wasserfässer mit Salzwasser gefüllt, um für Gewichtsausgleich zu sorgen und den Trimm des Schiffes (horizontale Lage zur Längs und Querachse) zu gewährleisten.
    Die Laderäume der europäischen und dann auch amerikanischen Schiffe waren bis zur Erfindung der Querschotte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgehend vom Vor- zum Achtersteven, nur scheinbar unterteilt durch Pulvermagazine oder andere Einrichtungen (z. B. Pumpenanlage,

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