Schiffskater Trim, eine biographische Hommage

Mit „Tribute to Trim“ hat der Forschungsreisende Matthew Flinders seinem Schiffskater ein literarisches Denkmal gesetzt.

LogoTrimSXSchiffskatzen fanden bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts nur ganz selten und dann bestenfalls als Randnotiz Eingang in Logbücher, Reiseberichte oder Journale der Seefahrer. Umso spannender die Geschichte vom Schiffskater Trimm, der als Begleiter des Forschungsreisenden Matthew Flinders mit diesem an Bord verschiedener Schiffe die Welt umrundet hatte. Flinders widmete seinem treuen vierbeinigen Weggefährten „Eine biographische Hommage in Erinnerung an Trim“ (Tribute to Trim), die nicht nur die tiefe Verbundenheit zwischen ihm und seinem Schiffskater wiederspiegelt, sondern auch einen interessanten Eindruck von der Rolle vermittelt, die Schiffskatzen neben dem obligatorischen Ratten- und Mäusefangen an Bord von Schiffen innehatten. Die folgenden Anekdoten liefern einen Eindruck davon.

Dass Trim auch am Tisch der Offiziere speisen durfte, versteht sich angesichts seiner guten Manieren von selbst. Ob der freundliche Kater allerdings auch bei den Kapitänsdinners mit den Wissenschaftlern geduldet war, geht aus Flinders Trim-Tagebuch nicht hervor. Sicher ist jedoch, dass der Schiffskater ständiger Gast in der Messe der Midshipmen war. Dort stellte er sich pünktlich 15 Minuten vor dem Essen ein und wartete geduldig, bis alle Platz genommen hatten und aufgetragen war. Dann schritt er von Tischgenossen zu Tischgenossen. Ein sanftes, höfliches Miau und jeder, der ihn kannte, gab ihm ein Stückchen seines Mahles ab, das sich der Kater vorsichtig und geschickt mit der Pfote von der dargebotenen Gabel angelte. Wer dem Gentleman Agreement allerdings nicht nachkam, von dem holte sich Trim den ihm zustehenden Teil auch selbst.

Der Schiffskater als Erzieher der Azubis

Die leichtesten Opfer waren dabei vor allem jene jungen Herren, deren Redefluss auch beim Essen nicht versiegen wollte und die daher ihre Gabel mit dem Happen bis zu ihrer nächsten Redepause unbeaufsichtigt in der Luft hielten. Und dann gab es noch die Schlinger, jene Gentlemen, die kaum wagten zwischen den einzelnen Bissen Atem zu holen und meinten, gar keine Zeit dafür zu haben, Trim den ihm zustehenden Anteil abzutreten. Da musste Trim – schon allein um der Disziplin und Erziehung der jungen Herren Willen – zu drastischeren Maßnahmen greifen. Flinders berichtet, dass der Kater einmal, nachdem der letzte Bissen gerade im Munde eines solchen Midshipmans verschwunden war, an dessen Weste zum Gesicht hochkletterte. Mit beiden Vorderpfoten zog er die Mundwinkel des verblüfften Fähnrichs auseinander und als dieser vor Überraschung einen unartikulierten Laut ausstieß und dabei die Lippen öffnete, fischte sich der damals noch junge Kater den Bissen blitzschnell aus dem Mund.

Trims wissenschaftliche Aktivitäten

Keine Frage, so ein Schiffskater brachte durchaus ein wenig Abwechslung in das Leben der Seeleute und Passagiere. Und natürlich beteiligte sich Trim ebenfalls mit großem Eifer am Forschungsprogramm. So war er gerne bei den Längenmessungen mit dem Chronometer zugegen. Er begutachtete das tickende Gerät von allen Seiten und ließ ihn nicht aus den Augen, bis der Offizier mit einem lauten „Stopp“ das Ende der Zeitmessung und das Erfassen der Messdaten ankündigte. Dann, so erzählt Flinders, sprintete der Kater zum Offizier, um mit einem Miau die Ergebnisse einzufordern. Größte Aufmerksamkeit widmete Trim auch dem ordnungsgemäßen Zustand der Leinen, an denen das Senkblei zur Tiefenmessung oder das Log zur Geschwindigkeitsmessung hingen, und die sich beim Auswerfen oder Einholen der Geräte wie Schlangen über das Deck bewegten. Und ganz im Sinne der Anordnungen des Kommandanten unternahm der vielseitige und engagierte Schiffskater auch eigene Untersuchungen. Als Beispiele seien hier nur Experimente mit runden Körpern genannt. An deren Bahnen und Bewegungen an Deck – entstanden durch verschiedene Impulse, die er ihnen mit seinen Pfoten verpasste – studierte er Phänomene wie Beschleunigung und Gravitation.

Ein Seemann mit Fell und Pfoten

Vor allem aber hatte es ihm die praktische Seemannschaft angetan. Wenn beispielsweise ein Segel gekürzt werden musste, wartete er zusammen mit der Mannschaft auf den Befehl „Ab in die Wanten“. Dann sprang er zusammen mit den Männern auf und war vor allen anderen oben, um von geeigneter Stelle aus die Arbeiten wie ein Offizier zu überwachen. Keine Frage, als Vierbeiner stand ihm das nicht zu. Aber diese Autoritätsanmaßung nahm ihm niemand übel.
Flinders hatte in seiner Trim-Hommage über viele Streiche und Abenteuer seines pelzigen Freundes zu berichten. Und auch wenn die Geschichten immer mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt werden, die Trauer, die den Seefahrer angesichts des Verlustes des mutigen und zutraulichen Schiffskaters überkam, war sicherlich echt. Und so ist auch die Grabinschrift zu verstehen, die heute das Denkmal des Katers ziert:

Zur Erinnerung an
Trim,
Den besten und erhabensten seiner Rasse, –
Dem herzlichsten Freund, –
Dem treuesten Diener,
und dem besten Geschöpf.
Er umsegelte die Welt und machte eine Reise nach
Australien,
das er umrundete; und er war immer eine
Freude und ein Vergnügen für seine Mitreisenden.
Bei der Rückkehr nach Europa 1803 erlitt er Schiffbruch
im Südpazifik;
Dieser Gefahr entkommen, suchte er Zuflucht und Hilfe
Auf der Isle of France, wo
Er gefangengenommen wurde, entgegen den Gesetzen der
Gerechtigkeit, der Humanität und aus
nationalistischen Gründen der Franzosen;
Und wo er leider! sein wertvolles Leben beendete,
durch einen vorzeitigen Tod, verschlungen von den Katzenfressern
dieser Insel.
Oft habe ich seine kleinen Späße mit Vergnügen beobachtet,
und mich von seiner überragenden Klugheit überraschen lassen:
Niemals wird es wieder einen wie ihn geben!
Trim wurde im Jahr 1799 im südlichen Indischen Ozean geboren,
und verstarb wie beschrieben 1804 auf der Isle of France.

Friede seiner Seele, und
Ehre seinem Andenken

Die Ausführungen dieses Artikels habe ich meinem Ende 2012 im Berliner Vergangenheitsverlag erschienenen Buch „Forscher, Katzen und Kanonen“ entnommen. Dort findet sich im Anhang die vollständige biographische Hommage in Erinnerung an Trim von Matthew Flinders, erstmals in deutscher Übersetzung.

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