Timekeeper von Cook bis Flinders

Reisen britischer Marinechronometer

Marine chronometer. ZAA0111

Kendall, Larcum
Greenwich, London, England; 1774
© National Maritime Museum Collections

Im Juni 1765 wurde der Uhrmacher Kendall von der britischen Längengradkommission zu einem der sechs Experten ernannt, die die Vorstellung der vierten Version von John Harrisons Marine-Chronometer bezeugen und begutachten sollten. Im Laufe dieser Beratungen beschloss die Kommission, Harrisons Timekeeper H(arrison)4 von Kendall nachbauen zu lassen. Der Pionier der Marine-Chronometer, John Harrison, stimmte dem Vorschlag zu. Vielleicht auch deshalb, weil Kendall möglicherweise bereits am Bau des H4 beteiligt gewesen war. K1 erwies sich in seiner Ausführung besser als das Original und wurde James Cook auf seiner zweiten Reise zur Erprobung mitgegeben. Die Tests waren erfolgreich und Kendall wurde mit dem Bau einer vereinfachten Version beauftragt. Der Timekeeper K2 von 1771 gelangte an Bord der Bounty und im Rahmen der berühmten Meuterei nach Pitcairn Island, von wo sie über zahlreiche abenteuerliche Umwege erst 1840 ihren Weg zurück nach England fand und sich heute, wie K1 und K3 in der Sammlung des National Maritime Museum, Greenwich befindet.

K3: 30 Jahre Forschungseinsatz

Bei seinem dritten Timekeeper baute Kendall schließlich eine Reihe von technischen Eigenentwicklungen ein, was den Chronometer letztendlich gegenüber seinen Vorgängern, einschließlich Harrisons viertem Zeitmesser, nicht verbesserte. Der 1775 fertiggestellte K3 ist daher sicherlich vor einem anderen Hintergrund interessant. Er wurde von der Längengradkommission für seine dritte Reise an James Cook herausgegeben. 1782 erhielt Commodore John Elliot als Kapitän der HMS Romney den Marine-Chronometer und nahm ihn mit nach Neufundland, wo er 1786 einen Posten als Gouverneur und Flottenchef antrat. 1789 durfte sich Vizeadmiral Milbank des Besitzes an der Präzisionsuhr erfreuen und zwischen 1791 und 1795 begleitete K3 Kapitän George Vancouver auf seiner Forschungsreise an der Nordwestküste Amerikas.

Als schließlich zwischen 1802 und 1805 Kendalls dritter Marine-Chronometer zur wissenschaftlichen Ausstattung von Matthew Flinders gehörte, war das gute Stück bereits knapp 30 Jahre in Dienst. Und natürlich war K3 an Bord der HMS Investigator nicht das einzige Zeitmessgerät. Zu Flinders Chronometerausstattung gehörten neben zwei neuen „Earnshaws“ auch noch zwei etwas ältere „Arnolds“. Es darf angenommen werden, dass der alte Timekeeper, der seinen Schöpfer nun bereits seit rund sieben Jahren überlebt hatte, neben der Vermessung und Kartierung des Wreck Reefs, vor allem zur Ausbildung der Jungen Herren, also der Midshipmen des Forschungsschiffes und dem Vergnügen des rührigen Schiffskaters Trim diente. Im Folgenden ein Auszug aus Forscher, Katzen und Kanonen:

„ . . . Wer von den Midshipmen erwartete, zur Leutnantsprüfung zugelassen zu werden, hatte auch ein Berichtheft zu führen. Darin mussten die beobachtete Breite, also die Nord-Süd-Position und die Länge, also die Ost-West-Position festgehalten werden. Selbst gemessen und berechnet natürlich und zwar nach jeder Messmethode, die der Midshipman bereits beherrschte. Die Methoden, die ihm noch nicht bekannt waren, hatte er sich selbständig und natürlich mit Unterstützung des Astronomen und Kommandanten anzueignen. Das gleiche galt für die Vermessungs- und Kartierungstechniken. Mit dem Erlernen dieser Fähigkeiten, so Flinders, mache sich der Midshipman nicht nur zu einem nützlichen Mitglied der Expedition, sondern lege natürlich auch eine solide Basis für seine zukünftige Karriere.

Auch Trim beteiligte sich mit großem Eifer am Ausbildungsprogramm. So war er gerne bei den Längenmessungen mit dem Chronometer zugegen. Er begutachtete das tickende Gerät von allen Seiten und ließ ihn nicht aus den Augen, bis der Offizier mit einem lauten „Stopp“ das Ende der Zeitmessung und das Erfassen der Messdaten ankündigte. Dann, so erzählt Flinders, sprintete der Kater zum Offizier, um mit einem Miau die Ergebnisse einzufordern.“

Nach 1805 scheint K3 schließlich in den Ruhestand gegangen zu sein. Welche Wertschätzung die ersten Generationen der Marine-Zeitmesser erfuhren, lässt sich daran erkennen, dass der technische und optische Zustand des Originals der K3 als hervorragend beschrieben wird. Und das nach immerhin 30 Jahren Einsatz und einem Alter von insgesamt 240 Jahren. Immerhin, die außerordentlich präzisen Zeitmesser des Harrison und Kendall hatten endlich die genaue Bestimmung des Längengrades möglich gemacht.

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