Logbucheintrag zum Weihnachtsfest

Weihnachten mit Sturm und Rum

Die Resolution und Adventure in der Matavi Bay

Die Resolution und Adventure in der Matavi Bay

Keine Frage, auch die Forschungsreisenden der christlichen Seefahrt der vergangenen Jahrhunderte hatten ihre „betrieblichen Weihnachtsfeiern“. Denn oft genug waren sie – während ihre Landsleute daheim besinnlich der Geburt ihres Religionsstifters gedachten – am anderen Ende der Welt unterwegs, in unbekannten Gewässern und mit viel Glück sogar in einem sicheren Hafen. Ein wenig anders als in der Heimat gestalteten sich die Festlichkeiten jedoch schon, wie die Log- und Tagebücher der Seeleute und Reisenden des 18. und 19. Jahrhunderts preisgeben.

Der Naturforscher Joseph Banks am 25.12.1768 schreibt als Begleiter auf der ersten Reise des James Cook in sein Tagebuch: „Weihnachten: alle guten Christen, sprich alle Matrosen sind fürchterlich besoffen, so dass am Abend wohl kaum ein nüchterner Mann an Bord war. Gott sei Dank war der Wind sehr mäßig, der Herr allein weiß, was ansonsten mit uns passiert wäre.“

Auch Weihnachten 1769 weiß Banks Feucht-Fröhliches zu berichten. Während die Offiziere und Wissenschaftler an Bord der HMS Endeavour die Pastete aus Tags zuvor geschossenen Gänsen genüsslich verspeisten, waren gegen abend „alle Matrosen betrunken, so  wie es bereits bei unseren Vorvätern anlässlich dieses Ereignisses üblich war.“

Überwiegend Routine und ein klein wenig Freiheit

1787 ereilte das Weihnachtsfest die Mannschaft der HMS Bounty gerade zwei Tage, nachdem sie Spithead verlassen hatte. Kapitän Bligh ordnete zur Feier des Tages die Ausgabe von Rum, Beef und Plum Pudding an. Glücklicherweise hatte sich der Sturm rechtzeitig gelegt, sodass „es uns erlaubte, das Fest mit Freude zu begehen.“

Besonders überschwänglich klingen Matthew Flinders Ausführungen, als er 1791 als Midshipman an Bord der HMS Providence unter Bligh an der zweiten Brotfruchtexpedition teilnahm nicht. Er vermerkt in seinem Tagebuch: „25. Dezember, Weihnachten – leichte Landbrise, freundliches Wetter bewölkt – damit beschäftigt die Vorräte aufzufüllen. Einige Offiziere und Gentlemen von der Atalanta sind an Bord, um sich die Gewächshäuser anzusehen.“ Am Nachmittag werden Leute an Land geschickt, um die Wasservorräte zu ergänzen. Das Schiff wird durchgelüftet und gereinigt und auch die Matrosen erhalten den Befehl, sich zu säubern. Ob an Land oder an Borde eines der Schiffe ist ihnen dabei freigestellt. Und dann wird „die Erlaubnis erteilt, Grog an alle auszugeben – wie jeden anderen Tag auch – bewölkt.“

Als am 25.Dezember 1801 die HMS Investigator unter ihrem Kommandanten Matthew Flinders im der Princess Royal Harbour ankert, klingt der Verlauf des Weihnachtstages nicht wirklich aufregender: „Mäßiger Wind mit gutem Wetter. Unterdecks gewaschen und gereinigt und einige andere Pflichten erledigt. Habe den Kutter ausgesendet, um mit Haken und Leine zu fischen, am Nachmittag kehrte er erfolgreich zurück. Mannschaft gemustert, keine Beanstandungen. Einige hatten die Erlaubnis an Land zu gehen, andere gingen Fischen. Wolkig.“

Wenn Weihnachten ausfällt

Der Leser von heute mag diese Weihnachtsfeiern als langweilig begreifen, für die Forschungsreisenden und die Mannschaften dürfte es sich tatsächlich um Highlights gehandelt haben, denn ein friedlicher Weihnachtstag war meist mehr, als die Seefahrer erwarten durften. So ist der Tagebucheintrag vom 25. Dezember 1770 des als Frohnatur bekannten Joseph Banks im dritten Jahr seiner Reise mit Cook alles andere als besinnlich: „Ich glaube, es gab niemanden auf dem Schiff, der nicht sein bestes gab,  um den Anker zu lichten, so überdrüssig war jeder der ungesunden Luft an diesem Ort. Insgesamt haben wir acht Leute begraben müssen . . .“

Das waren nicht die letzten, die der Epedemie an Bord zum Opfer gefallen waren. im Januar 1771 vermerkt Cook in seinem Logbuch: „Wir waren schnell in einer erbärmlichen Situation. Das Schiff war nichts anderes als ein Krankenhaus in dem diejenigen, die sich noch auf den Füßen halten konnten, zu wenig waren, um sich um jene zu kümmern, die ihre Hängematten nicht mehr verlassen konnten. Nahezu jede Nacht mussten wir einen Toten der See übergeben. Im Verlaufe von etwa sechs Wochen bestatteten wir Herrn Sporing aus Herrn Banks Gefolge, Herrn Parkinson seinen Maler, Den Astronomen Herrn Green, den Bootsmann, den Zimmermann und seinen Maat, Herrn Monkhouse den Fähnrich […] unseren alten lustigen Segelmacher und seinen Assistenten, den Schiffskoch, den Korporal der Marinesoldaten, zwei aus der Mannschaft des Zimmermanns, ein Fähnrich und neun Matrosen.“ (aus „Forscher, Katzen und Kanonen“)

Kokosmilch bis zum Abwinken

Auch auf der HMS Bounty lief es Weihnachten nicht immer gut. So erwähnt der Bootsmannsmaat James Morrison, dass Weihnachten nachgefeiert werden musste, weil schweres Wetter nicht nur das Schiff in Seenot gebracht hatte, sondern die Mannschaft, die in Tahiti an Land gegangen war, drohte samt ihrer eingesammelten Brotfruchtschösslinge vom Hochwasser des Flusses, der in die Matavai Bay mündet, hinweggespült zu werden. Die Landgang konnte samt Pflanzen gerettet werden, die Bounty lief jedoch anschließend bei dem Versuch, einen sichereren Ankerplatz aufzusuchen auf ein Riff. Erst am 28. Dezember 1788 war das Schiff so weit instand gesetzt, dass nun Weihnachten mit einer doppelten Portion Grog gefeiert werden konnte. Am 01.01.1789 wurde die Feier noch einmal wiederholt. Diesmal mit einer halben Portion Grog, dafür aber Kokosmilch bis zum Abwinken.

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