HMB Endeavour – die Wracksuche

Die HMB Endeavour 1768

seit etwa fünf Tagen machen wieder einmal Pressemeldungen die Runde, nach denen das Wrack von James Cooks HMB Endeavour entdeckt zu sein scheint. Tatsächlich gibt es diesbezüglich nichts wirklich Neues, aber die Tatsache, dass der legendäre Forschungsreisende mit diesem Schiff 1768, also vor 200 Jahren zu seiner ersten Südseeexpedition aufgebrochen ist, mag das Mitteilungsbedürfnis des Rhode Island Marine Archaeologie Projects (RIMAP) beflügelt haben. Dass die Medien aus der Pressemitteilung der gemeinnützigen Forschungsorganisation mal wieder eine archäologische Sensation machen, versteht sich beinahe von selbst. Dabei ist die Suche nach dem Wrack des Forschungsschiffes tatsächlich interessant und möglicherweise irgendwann von Erfolg gekrönt.

Historische Recherchen belegen den Verbleib der Endeavour

In jedem Fall ist es wahrscheinlich, dass sich das Schiff wirklich dort befindet, wo es die Unterwasserarchäologen suchen. Denn über die Geschichte und den Verbleib der HMB Endeavour nach der Rückkehr 1771 nach Portsmouth ist nach ausgiebigen Archiv-Recherchen des RIMAP-Chefs das meiste bekannt. 1775 wurde das Forschungsschiff an Privat verkauft und in Lord Sandwich umbenannt. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges charterte die Royal Navy den Transporter, der fortan als Gefangenenschiff im Hafen von Newport diente. Als sich im Sommer 1778 eine französische Flotte aus zwölf Kriegsschiffen, vier Fregatten und einer Reihe von Transportern Newport näherte, um die Engländer in Zusammenarbeit mit den Truppen Washingtons von Rhode Island zu vertreiben, griff die Royal Navy zu einer drastischen aber nicht unüblichen Maßnahme, um den Angriff zu vereiteln. Die versenkte neben einigen Kriegsschiffen dreizehn gecharterte Transporter – darunter die Lord Sandwich – im äußeren Hafen von Newport, um die gegnerische Flotte am Einlaufen zu hindern.

Die ersten Schnellschüsse

Seit den späten 1990er Jahren versuchen die Taucher der RIMAP die dreizehn Transportschiffe zu lokalisieren, zu kartografieren und zu identifizieren. 1999 gingen die Archäologen erstmals an die Öffentlichkeit, dass das ehemalige Forschungsschiff Cooks möglicherweise auf dem Grund des Hafens von Newport liege. Zur Identifikation des Wracks müsse man nur noch ein Stück australischen Eukalyptusholzes finden, mit dem die Endeavour an der australischen Küste repariert worden war. Schlagzeilen wie „Amerikanische und australische Archäologen hoffen zu beweisen, dass es sich bei dem Wrack um Kapitäns Cooks Schiff handelt“ rauschten durch den internationalen Blätterwald. Am Ende erwies sich das Wrack als zu klein für die Lord Sandwich.

Eindeutige Identifikation Glücksache

2002 meldete die Presse „Versenkt aber nicht vergessen, die Endeavour könnte auf dem Grund des Hafens von Newport liegen.“ Wieder hatten die Unterwasserarchäologen einen potenziellen Kandidaten für den ersehnten Sensationsfund entdeckt und diesmal stimmte wenigstens die Größe. Allerdings erwies sich eine Identifizierung des Schiffes als mehr als schwierig. Denn Raubgräber hatten die Relikte aus den ohnehin recht zerstörten Rumpf geplündert bevor die RIMAP-Leute ihre Untersuchungen beginnen konnten. Es gebe, so Bob Cembrola, Kurator des Naval War College Museums, Newport in einem Presseinterview, ohnehin kaum Möglichkeiten einer zuverlässigen Identifizierung. Man müsste schon etwas finden, dass nur aus der Südsee stammen kann.

Zwischen Fortschritt und Zweckoptimismus

„Archäologen finden Kandidaten für Cooks Schiff Endeavour“ So titelte die Presse 2006. Diesmal gehörte das gefundene Wrack zu einer Gruppe von vier der dreizehn versenkten Transportschiffen unter denen sich so die Auffassung von Wissenschaftlern die Lord Sandwich befinden müsse. Die Chance, so wurde spekuliert liege nun bei 50%, das legendäre Cook-Schiff zu identifizieren. Rod Mather, Professor für Seefahrtgeschichte und Unterwasserarchäologie der Universität von Rhode Island verstieg sich sogar zu der Aussage: „Wir kennen die Konstruktionsdetails sehr gut, so dass es eine hervorragende Chance gibt, Übereinstimmungen zu finden.“

Immer mehr Wracks lokalisiert

Offensichtlich war das auch diesmal nicht gelungen, denn 2012 überrascht die Presse mit dem Titel „Lange vermisstes Schiff Endeavour gefunden?“ Immerhin, von der Transporterflotte von 13 Schiffen hatten die Archäologen nun bereits acht Wracks lokalisiert, die Chance, die Endeavour zu finden war nach Aussage der Direktorin der RIMAP, Dr. Kathy Abbass auf 68% gestiegen. Dennoch folgte erst 2016 die nächste Meldung „US-Forscher könnten Kapitän Cooks Schiff gefunden haben.“ Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt nichts wirklich Neues, aber nun war die Wahrscheinlichkeit der Identifizierung des Cook-Schiffes nach Aussagen der Wissenschaftler auf wenigstens 80% gestiegen.

Fundort eingegrenzt, Identifikation schwierig

Und was ist nun mit den aktuellsten Presseinformationen, die kaum überraschend zu Überschriften wie „Forscher wollen Wrack der „Endeavour“ geortet haben“ führte? Nun, das Ergebnis der immerhin rund 25jährigen archäologischen Untersuchungen besteht 2018 darin, dass der Fundort des Wracks von ursprünglich dreizehn über fünf nun auf möglicherweise ein oder zwei archäologische Orte eingegrenzt werden kann. Zudem stellte die RIMAP der Öffentlichkeit ein photogrammetrisch erstelltes 3D Bild eines vielversprechenden archäologischen Fundortes vor. All das ist wissenschaftlich gesehen sicherlich beeindruckend. Und nachdem nun das Wrack der Lord Sandwich auf ein oder zwei Fundorte eingegrenzt wurde, müssen die 2019 beginnenden Ausgrabungen und Untersuchungen Beweise für die Identität eines der Wracks als Ex-Endeavour bringen. Aber genau das dürfte seit 1999 nicht einfacher geworden sein.

Das andere Cooksche Forschungsschiff, die HMS Resolution

Übrigens, einige Wissenschaftler vermuten, das auch die HMS Resolution, Cooks Forschungsschiff der zweiten und dritten Reise in die Südsee irgendwo unter dem modernen Newport liegt. Auch die Resolution wurde von der Navy an Privat verkauft und umbenannt. Als La Liberté lief sie im Hafen von Newport mit einer Ladung Walöl auf Grund und wurde 1793 aufgegeben. Die Überreste des Schiffes wurden als von der Endeavour stammend deklariert und als Souvenirs verkauft.

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